Schamanismus

Aufgabe des Schamanen

 

Es gibt viele kulturelle Unterschiede schamanischer Heilweisen, die weltweit angewendet werden. Ein gemeinsames Merkmal ist, dass der Schamane Führer und Helfer der Seelen ist. Er vermittelt zwischen den Welten und begleitet die Seelen Verstorbener zu ihrem Platz innerhalb des Totenreichs. Dabei klärt er sie über die dortigen Umstände und Gesetze auf.

Seine Haltung gegenüber dem Tod und allen Wesen ist bewertungs- und angstfrei.  Das Begleiten von Seelen nennt man Psychopompos-Arbeit; Psychopompos = griech.: Seelengeleiter.

 

Im Rahmen schamanischer Heilarbeit werden Seelenanteile zurückgeholt, sowie Fremdenergien entfernt. Der Einsatz von Gegenständen wie Trommeln, Rasseln und Räucherwerk zu rituellen Zwecken wird unterschiedlich gehandhabt. In erster Linie kommt es auf die geistige Klarheit des Heilers an.

 

Neben der geistigen Kraft ist für einen schamanischen Heiler das wichtigste sein enger Kontakt zu seinen verbündeten Lehrern sowie Kraft- und Helfertieren. Hiernach gestaltet sich seine Fähigkeit, sich sicher in der Anderswelt zu bewegen. Er kennt die Gesetzmässigkeiten der jeweiligen astralen Ebenen und beherzigt sie.


 

Der Glaube der Menschen in schamansichen Kulturen ist häufig holistisch ; d.h. es wird davon ausgegangen, dass Gott in jedem Lebewesen, in jedem Element zugegen ist, aber nicht unbedingt, dass er als Individuum existiert. Daraus ergibt sich eine zumeist ehrfürchtige Grundhaltung jedem Wesen und der Natur gegenüber. Allerdings gewährt diese Haltung auch den Spielraum, „natürliche“ als „gottgewollte“ Entwicklungen zu erklären. Neben anderen Fehlhaltungen des Bewusstseins kann dies den Nährboden für dunkle, machtmissbräuchliche Handlungen á la "Schwarze Magie" bereiten. Also: nicht jeder Schamane ist unbedingt dem Licht zugetan oder "spirituell" bzw. gottbewusst.

 

Der Schamane wird zu seinem Amt berufen

 

Der Schamane oder schamanisch Praktizierende wird von den Geistern "erwählt" und auf seine Berufung „aufmerksam gemacht“. Er oder sie wird „heimgesucht“ oder mit Visionen und Erscheinungen "belästigt". Um nicht dem „Wahnsinn anheim zu fallen“, sieht er sich genötigt, sich der Sache zu stellen. Dies sind die ersten Schritte auf seinem persönlichen, meist steinigen Bewusstwerdungsweg. Schamanismus ist keine Disziplin, der man sich durch einfache Neugierde zuwendet. Ist dies aber der Fall, so wird es demjenigen an natürlicher Autorität und schamanischer Kraft mangeln.

Die meisten traditionellen Schamanen haben einfache Berufe, und erst nach „Feierabend“ gehen sie den Tätigkeiten nach, die ihre schamanische Berufung ihnen abverlangt. Und das nicht immer freiwillig, denn diese Arbeit ist in hohem Maße anstrengend und mit Gefahren für Leib und Seele verbunden.
Stellt er sich gegen seine Berufung, riskiert er schwere psychiatrische Erkrankungen oder muss sich sehr anstrengen, diese abzuwehren. Dies ist eine besondere Herausforderung für Menschen einer Kultur, die den Wirkungskreis des Schamanen - die Anderswelt - für nicht existent hält. Denn sie stehen zunächst allein mit ihren Erlebnissen da, die sie niemandem erzählen können, ohne befremdlich angesehen oder für "bekloppt" erklärt zu werden.

 

Lesen Sie hier mehr zum Thema Normalität oder Wahnsinn I:  Vom Erwachen natürlicher Medialität


Warum in unserem Kulkturkreis eher von schamanisch Praktizierenden als  von Schamanen gesprochen wird, hat den Grund, dass es ausserhalb schamanischer Kulturen den Beruf und Begriff des Schamanen nicht gibt. Die Grundlagen schamanischer Arbeit wie die geistigen Gesetze aber sind unabhängig von Kultur und erdachten Religionen stets dieselben.



Der Begriff shamanic practitioner geht auf Michael Harner zurück, der den Core-Schamanismus begründet hat, um Menschen des westlichen Kulturkreises, die sich  zu schamanischem Arbeiten berufen fühlen, mit den Kernstücken schamanischen Wirkens vertraut zu machen.

 

Wirkung von Schamanismus

 

Schamanismus oder Schamanische Heilarbeit wirkt über Zeit und Raum hinaus. Sie kann unmittelbare Heilungen anregen, verdeckte Kräfte freisetzen, und damit die Lebenskraft stärken. Das kann gegenüber gewöhnlichen Psychotherapien, die oft jahrelang durchgeführt werden müssen, ein Vorteil sein. Und es liegt nahe, diese beiden Heilungsverfahren miteinander zu verbinden oder jeweils ergänzend einzusetzen. Auch schwere psychiatrische Erkrankungen können nach Absprache mit behandelnden Psychiatern oder Psychologen schamanisch begleitet werden.

Es gibt einige gemeinsame Merkmale von Schamanischer Heilarbeit, Gestalttherapie und dem Systemischen Stellen. Das Wesentliche ist deren  raum- und zeitübergreifende Wirkung.

 

Wie bei allen Heilmethoden müssen Sie auf Ihr Gefühl vertauen, ob Sie sich auf eine Behandlung einlassen möchten, und das ist bei nicht offiziell anerkannten Methoden vielleicht noch schwieriger. Ich empfehle Ihnen, Angst und Vorurteile beiseite zu legen und Ihrem Instinkt zu folgen. Ihre Heilung kann Ihnen kein überzeugter Vertreter irgendeiner Schule versprechen.

 

 

Autorin: Ruth Haremsa

 

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