10 Vorwände, warum Sie keine Therapie beginnen wollen, und wie Sie diese entkräften können

  • Angst vor Ausgrenzung
  • Das EGO überschätzt sich
  • Therapieverdrossenheit
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Entmutigt aufgeben
  • Verdrängen und Ausreden
  • Herunterspielen des Leidens
  • Krankheitsgewinn
  • Angst vor Enttäuschung
  • Leiden aus Überzeugung

 

1) Angst vor Ausgrenzung: "Bin ich bescheuert? Ich brauch' doch keine Therapie"!

 

Betrachten Sie Leiden als Chance, nicht als Mangel. Verkürzen Sie Ihren Leidensweg und überwinden Ihre Angst vor Stigmatisierung. Denn: "Krankheit ist weder Grausamkeit noch Strafe, sondern einzig und allein ein Korrektiv; (...) dessen sich unsere eigene Seele bedient, um ( ...) uns auf den Weg der Wahrheit und des Lichts zurückzubringen, von dem wir nie hätten abkommen sollen." (Edward Bach)

 

Noch heute halten sich Vorurteile und die Annahme, dass Kranksein eine gerechte Bestrafung und selbstverschuldet sei. Im christlich- fundamentalistischen Kontext liegt die Vorstellung begründet, psychisch Leidende seien verrückt und besessen, was nur mit Teufelsaustreibung kuriert werden könne.

Hartnäckig hält sich auch der Irrglaube, psychisch leidende Menschen seien im Wesen unberechenbar und gefährlich.

 

Unsere Mediengesellschaft informiert oft zu wenig neutral über seelische Leiden. Viele Menschen beziehen ihr Wissen aus den Unterhaltungsmedien, in denen dramatische Ereignisse sensationell aufbereitet werden. Auf diese Weise werden Ängste und Vorurteile genährt. "Kranksein" wird in der Gesellschaft noch immer als Makel angesehen, und es ist schwer, sich diesem negativen Werturteil zu entziehen.

 

2) Das EGO überschätzt sich: "Ich kann alleine damit fertig werden"!

 

Geteiltes Leid ist halbes Leid - geben Sie den Kampf auf und stellen Sie Ihr Ego in den Dienst des Herzens - damit tun Sie sich selbst und Ihrer Umgebung einen großen Gefallen!

Wurden Sie schon sehr früh mit Dingen überfordert, für die andere verantwortlich waren? Dann haben Sie vielleicht aus der Not heraus ein starkes Ego entwickelt, um zu überleben. Wenn Sie in Ihrer Entwicklung kaum unterstützt wurden, ist es sicher schwer für Sie, sich umzugewöhnen und Hilfe zu beanspruchen.

 

Ihr Leidensdruck kann aber so groß geworden sein, dass Sie ernsthaft heraus gefordert sind, sich Unterstützung zu suchen. Sich diese „Bedürftigkeit“ einzugestehen, könnten Sie als Kränkung empfinden, denn bisher sind Sie noch mit allem selbst fertig geworden. "Was mich nicht tötet, härtet mich ab"!

 

Sie bemerken, dass Sie in Ihrem Leben ungesunde Verhaltensmuster wiederholen und an dieselben Grenzen stoßen. Diese Blockaden können Sie alleine nicht überwinden, da Ihnen die Sicht von Außen fehlt. Deswegen "benötigen" Sie diese schmerzhaften Wiederholungen als Spiegel für Ihre Erkenntnis. „Selbstschutz“ kann in diesem Fall eine große Hürde sein, welche zu überwinden es sich lohnt!

 

Seien Sie mutig und gestehen Sie sich ein, dass Sie Unterstützung benötigen. Es ist Ihr Lebensglück, dass Sie selbst gestalten!

 

3) Therapieverdrossenheit: "Ich hab' schon soviel ausprobiert"

 

Ihr Leidensweg ist lang, Sie haben schon einige Diagnosen und Fehlbehandlungen erhalten und sind es Leid, sich als krank bezeichnen zu lassen. Möglicherweise haben Sie unangenehme Erfahrungen in Therapien machen müssen und nur wenig Wertschätzung vom Behandler erfahren. Am Ende haben Sie sich elendiger gefühlt, als vor der Behandlung. Da ist es nicht verwunderlich, dass Sie davor zurück schrecken, sich nochmals Jemandem zu öffnen, der soviel Macht über ihr Seelenleben hat. Schließlich sind Sie dazu übergegangen, so zu tun, als wäre nichts. Doch kann das die Lösung sein?

 

Hilfe in Anspruch zu nehmen, bedeutet nicht, dass man sich abhängig machen, seinen Verstand abgeben und alles schlucken muss, was einem vorgesetzt wird. Therapeuten dürfen und sollen kritisch gesehen werden. Versuchen Sie, einen Mittelweg zwischen kritischer Distanz und Vertrauen zu finden. Wenn Sie sich wertgeschätzt und als Mensch angenommen fühlen, öffnen sich Tore!

 

4) Angst vor Kontrollverlust: "Was ist, wenn es noch schlimmer wird""?

 

Wagen Sie die Gratwanderung zwischen Selbstkontrolle und Sich-führen-lassen! Steigern Sie Ihre Lebensqualität, indem Sie das unbekannte Gebiet Ihres Seelenlebens betreten und sich dabei ein Stück begleiten lassen!

 

Ihre Tics und Macken geben Ihnen Sicherheit, auch wenn Sie davon sichtlich genervt sind? Sie wissen bei all den vertrauten Einschränkungen jedenfalls, woran Sie sind, und wie Sie damit umgehen können. Und auch Ihr Umfeld ist vertraut mit Ihrer Art. Warum also das Risiko eines Kontrollverlustes über den alteingesessenen Leidenszustand eingehen, wenn sich doch alle Beteiligten darin eingerichtet haben?

 

Vielleicht sind Sie schon einmal von Ihren Gefühlen überrannt worden und haben das Vorurteil entwickelt, dass der Schmerz immer schlimmer wird, wenn Sie sich ihm stellen.

In einer guten Therapie werden Ihre Kapazitäten berücksichtigt. Es sollten Ihre Möglichkeiten ausgelotet und gefördert werden, sich selbst zu führen, anstatt vermeintliche Mängel Ihrer Persönlichkeit zu betonen.

 

Setzen Sie sich zum Ziel, wieder selbstbestimmt am Leben teil zu nehmen!

 

5) Entmutigt aufgeben:"ich bin Kummer gewohnt"

 

Schöpfen Sie neuen Mut und begrüßen die Veränderung. Das Leben ist ein riesiges Geschenk - packen Sie es aus!

Vielleicht bestimmt Sie eine Mischung aus Selbstmitleid und Unvermögen, den Ernst Ihrer Lage einzuschätzen. Deswegen unternehmen Sie nichts, und warten eher unbewusst auf die Quittung, die Sie früher als später erhalten werden. Bis dahin unterdrücken Sie sich weiter mit den Leitsätzen: "Indianer kennt keinen Schmerz" und "Ich bin Kummer gewohnt"!

Entmutigt aufzugeben, ist der Grundstein der Depression. Sie sind enttäuscht worden und Ihre Bedürfnisse wurden nicht erfüllt. Da haben Sie Ihre Ansprüche an das Leben herunter geschraubt.

 

Wenn Sie sich kaum mehr spüren, haben Sie den Bezug zu Ihrem inneren Wesen verloren. Dieses müssen Sie unterdrückt halten, denn alles Lebendige fühlt - vor allem den Schmerz. Und dieser möchte uns darauf aufmerksam machen, das etwas "richtig schief im Gebälk" ist.

Es gibt keinen Grund, sich mit den Einschränkungen des Lebens abzufinden. Stellen Sie hohe Erwartungen an sich selbst, und finden Sie den Platz, an dem Sie diese erfüllen können.

Wachen Sie auf und beanspruchen Ihr Recht auf lebendiges Leben!

 

6) Verdrängen und Ausreden: "Ich hab' keine Zeit"! - "Lohnt sich das denn?"

 

Geben Sie sich einen Ruck und lösen die kränkelnden Strukturen Ihres Lebens auf! Das Hamsterrad dreht weiter - springen Sie ab!

Sie sind überkritisch und Ihr ängstlicher Geist sucht ehrgeizig nach Ausflüchten, damit Sie bloß nicht dahin schauen müssen, wo es weh tut. Sie haben grundsätzlich keine Zeit, und wüssten beim besten Willen nicht, wie Sie eine Therapie in den Alltag einbinden sollten.

 

Sie verwenden unbewusst einen Großteil Ihrer Energie darauf, den "Ball flach zu halten", um den Schmerz nicht zu aktivieren, den Sie im Inneren tragen. Manchmal greifen Sie zu Alkohol oder anderen Maßnahmen ungesunder "Selbstbehandlung", denn diese helfen Ihnen, zu verdrängen. Sie laufen seelisch auf Sparflamme und flüchten vor sich selbst. So kann sich keine Lebensqualität entfalten.

 

Zur Zeit geht es Ihnen etwas besser, und Sie denken nicht mehr an die schlimmen Zustände. Vielleicht haben Sie sich auch schon mal Jemandem anvertraut, der Ihnen von einer Therapie abgeraten hat. Deswegen fürchten Sie die Reaktion Ihrer Umwelt. Dann weihen Sie nur Personen ein, denen Sie in dieser Hinsicht vertrauen!

Ein Aufschub rächt sich, denn die innere Not sucht nach Auswegen, und irgendwann läuft das Fass über. Und Sie haben nicht noch mehr Lebenskraft zu verschenken!

 

7) Herunterspielen des eigenen Leids: ""Krieg is' schlimmer"!"

 

Belassen Sie das Schicksal Anderer bei ihnen und beginnen Sie, das eigene Leben zu bejahen - Sie werden reich belohnt werden!

 

Sie haben gelernt, "sich nicht so anzustellen" und sich Befehlen zu fügen wie "reiß' Dich zusammen". So haben Sie eine gewisse Härte sich selbst gegenüber entwickelt, um sich zu schützen. Denn die Menschen in Ihrer Nähe haben es nicht ertragen, wenn Sie sich schwach gezeigt haben, da Sie Ihnen ihre eigene Ohnmacht gespiegelt haben.

Vielleicht gehen Sie auch davon aus, es noch gut gehabt zu haben. Und so steigern Sie sich in fremdes Leid hinein, um von sich abzulenken und sich auf unbewusste Art selbst zu heilen. Aber jeder hat seine persönliche Schmerzgrenze, und Leidempfinden ist nicht vergleichbar.

 

Sich nichts anmerken zu lassen, ist eine Überlebensstrategie. Ihre Lebensverhältnisse haben sich aber geändert, und Sie sind von den Urteilen der Außenwelt nicht länger abhängig. Die Zeit ist reif, die Verantwortung für die Fehler der Vergangenheit bei den Menschen zu belassen, die sie begangen haben. Wenn Ihnen das gelingt, ohne die betreffenden Personen zu verurteilen, dann können die guten Erinnerungen an Ihre Kindheit bestehen bleiben.

 

Es geht nicht um Schuld, sondern einzig um verantwortliches Handeln - und dazu ist jeder erwachsene Mensch herausgefordert!

 

8) Krankheitsgewinn: "Aber es hat auch sein Gutes…"

 

Überwinden Sie die Muster der Vergangenheit und besetzen Sie die Rolle des Leitwolfs in Ihrem Leben - es ist an der Zeit, den Selbstbetrug aufzugeben!

 

Der erste "Krankheitsgewinn" besteht darin, dass Sie Ihre inneren Konflikte weniger wahrnehmen müssen, wenn diese über eine körperliche Erkrankung zum Ausdruck gebracht werden. Des weiteren werden Sie als "kranker Mensch" meist mehr beachtet, vor allem wenn Sie gepflegt werden müssen. Das kann gegenüber Ihrem gewohnten Leben eine willkommene Wendung darstellen. Endlich wird Ihre tiefsitzende Erwartung erfüllt, rund um versorgt zu werden. Denn vielleicht haben Sie Ihr Leben in den Dienst Anderer gestellt und sind immer zu kurz gekommen. Sie haben Ihre Bedürfnisse unterdrückt, und sich an die ungeschriebenen Gesetze gehalten, um Ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe sicher zu stellen.

Ein co-abhängiges Beziehungsmuster aufzubrechen erfordert Mut und eine klare Vorstellung davon, durch was Sie es ersetzen wollen - zum Beispiel "Selbstbestimmtheit".

 

Dieses Ziel vor Augen kann Ihnen helfen, äußere Abhängigkeiten wie "Geliebt-werden-wollen" aufzugeben und sicher den eigenen Weg zu finden!

 

9) Misstrauen und Angst vor Enttäuschung: "Was ist, wenn das nichts bringt"?

 

Die Zeit ist reif - öffnen Sie Ihr Herz und machen Sie sich auf den Weg zu sich selbst!

 

Sie gehen vom Scheitern aus, erwarten das Schlimmste. Zum Lohn bewahrt Sie Ihre verneinende Grundeinstellung zum Leben vor Enttäuschungen, denn Sie haben gelernt, Ihre Erwartungen an die harte Wirklichkeit anzupassen. Ihnen wurde schließlich nichts geschenkt.

Vor einiger Zeit haben Sie sogar einen Therapieversuch gewagt, aber dieser blieb erfolglos. Vielleicht wurde Ihnen vorgeworfen, Sie seien unheilbar gestört oder im Gegenteil: Sie hätten eigentlich gar nichts. Wem oder was sollen Sie eigentlich noch trauen?

 

Vielleicht ist es gar nicht aussichtslos um Sie bestellt, sondern Sie haben einfach noch nicht die richtige Therapeutin oder den richtigen Therapeuten für sich gefunden. Wenn Ihr Bauchgefühl Ihnen sagt, dass etwas mit Ihnen nicht stimmt, dann muss das keine schwerwiegende psychische Erkrankung sein. Vielmehr möchte Ihre Seele Sie darauf aufmerksam machen, dass sie genug gelitten hat, und endlich leben möchte! Was kann letztlich enttäuschender sein, als festzustellen, dass Sie es nicht versucht haben?

 

Trauen und folgen Sie Ihrer Eingebung - und Sie werden die richtige Begleitung für diesen Lebensabschnitt finden!

 

10) Leiden aus Überzeugung: "Ich hab's nicht besser verdient"!

 

Ziehen Sie Ihr Büßergewand aus und dann: Hände weg vom Prana-Buffet - es gibt Kartoffelsalat!

 

Um Erinnerungen an schmerzliche Gefühle zu vermeiden, verbünden Sie sich mit der "Täterenergie" und stellen ein übertriebenes Schuldbewusstsein zur Schau: "Es tut mir so unendlich leid, ich weiß gar nicht, wie ich das wieder gut machen soll". Denn lieber leiden Sie selbstverschuldet als büßender Täter, als die Vorstellung ertragen zu müssen, dass Sie dem Leid ohnmächtig ausgesetzt sind.

 

Ihr Antrieb, Menschen zu helfen, geht über „christliche Nächstenliebe“ hinaus, denn für Sie ist Helfen zum Selbstzweck geworden: Sie brauchen es, gebraucht zu werden. Und manche meinen, Sie litten am "Helfersyndrom“. Hier lenkt "Helfen" vom eigenen Schmerz ab, den Sie über Stellvertreter heilen wollen.

 

Wenn Sie nie "auf einen grünen Zweig" kommen, könnte es sein, dass diese Dauerblockade auf karmische Altlasten zurück zu führen ist. Dies kann eine unbewusste Haltung der Schuld sein, die sich aus früheren Leben ergeben hat, oder Sie haben Schuld zugunsten Anderer im Rahmen magischer Verstrickungen übernommen u.v.m.

 

Möglicherweise glauben Sie, dass spirituelles Bewusstsein zu erlangen an höchste Entbehrung geknüpft ist, und so „werfen Sie sich ständig in den Staub“. Geben Sie diese hinderlichen Vorstellungen auf. Denn nur, wenn Sie auch das materielle Leben achten, haben Sie genug Stabilität, um geistig weiter wachsen zu können. Dann können Sie sich auf authentische Weise der Höherentwicklung Ihres Bewusstseins und Ihrem einzigartigen Seelenweg widmen.

 

Autorin: Ruth Haremsa

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Veronika Rolle (Montag, 23 Juni 2014 18:27)

    Liebe Frau Haremsa,

    ich habe Ihre 10 Gründe gegen eine Therapie gelesen und habe mich wieder gefunden. Die Angst sich zu öffnen und zu sehen was ich ahne aber nicht wahr haben möchte. Nicht zu wissen wohin der Weg führt und was vom ich noch bleibt. Lieber tausend Gründe dagegen als dafür und natürlich die Zeit die nie vorhanden ist.

  • #2

    Ruth Haremsa (Dienstag, 22 Juli 2014 18:21)

    Liebe Frau Rolle,
    dann wünsche ich Ihnen, dass Sie irgendwann den Mut finden, sich auf den Weg der Selbstklärung zu begeben.
    Es kann nur besser werden, wenn Sie voran gehen!
    Herzlichst,
    RH