Das Bauchgefühl I: Göttliche Eingebung - Intuition, Emotion oder Inspiration?

Das sagenumwobene "Bauchgefühl" ist kein Gefühl im herkömmlichen Sinne, sondern ein Impuls, welchen Sie vielleicht nur für den Bruchteil einer Sekunde in Ihrer Körpermitte wahrnehmen. Dieser Impuls ist ein Stolperstein, der Sie stutzig werden lässt, wenn Sie wieder einmal in Trance durch den Alltag schweben.

 

Das Bauchgefühl kann mit Willensimpulsen verwechselt werden, die spontane Begierden befriedigen wollen. Es kann ein Warnsignal sein, auf das Sie hören sollten, wenn Sie sich Leid ersparen wollen. Es ist die wegweisende Instanz, welche Sie unmittelbarer und sanfter zum Ziel führt, als es das Klardenken allein vermag.

 

Das Bauchgefühl - Impuls unserer "göttlichen Instanz"

 

Das Bauchgefühl ist Ausdruck Ihrer Verbundenheit mit den göttlichen Schöpfungsebenen, wie auch immer Sie diese für sich definieren. Vielleicht trauen Sie Ihrer Wahrnehmung bereits sehr gut, und ihr BG vermittelt Ihnen die Sicherheit, von den höchsten Ebenen begleitet zu werden. Dieser Instanz Vorrang vor dem rationalen Verstand zu geben, bedeutet nicht, schäfchengleich durch die Gegend zu trotten und sich einzig "von seinen Gefühlen leiten zu lassen", wie Skeptiker anführen könnten.

 

Das Bauchgefühl ist der körperlich wahrgenommene Impuls, welcher Ihnen von Ihrem Höheren Selbst übermittelt wird. Das "Höhere Selbst" ist unsere eigene göttliche Instanz und es steht in ständiger Verbindung mit den Ur-Schöpfungsebenen, von denen es sein Wissen bezieht.

Es heisst im Volksmund "Der Mensch denkt und Gott lenkt". Dieses Sprüchlein bringt es auf den Punkt: Nehmen Sie über Ihr Bauchgefühl die richtungsweisenden "Empfehlungen" aus Ihrer eigenen höchsten Quelle wahr, und setzen die Inhalte mithilfe Ihres Verstandes vernünftig um.

 

Der "integrierte Kanal"- die "Standleitung zum Höheren Selbst"

 

Die maximale Erweiterung des BGs ist es, sich soweit zu klären, dass Sie sich eine "Standleitung zum Höheren Selbst", einen "integrierten Kanal" aufgebaut haben. Voraussetzung für einen dauerhaft ungetrübten Kontakt und das Empfangen unverfälschter Informationen aus den höchsten Quellen ist es, dass Sie Ihre persönlichen Beziehungen zu den Schöpfungsebenen klären, und Ihre Seelensubstanzen weitestgehend integriert haben.

 

Zur Abgrenzung und zum besseren Verständnis des Prinzips "Bauchgefühl" möchte ich nachstehend einige verwandte Begriffe näher beleuchten. Denn um das BG wahrnehmen zu können, sollten Sie die verschiedenen Formen des Fühlens und des sinnlichen Erfassens von Eindrücken kennen und unterscheiden lernen. Der Prozess aktiven Fühlens ist eine Grundbedingung, um die feinen Impulse der höheren Ebenen wahrzunehmen. Von großer Bedeutung ist es auch, die Quellen der einzelnen Impulse identifizieren zu können, um Irrläufer zu vermeiden.

 

Intuition - das "ahnende Erfassen"

 

Unter Intuition verstehen wir das gefühlsmässige Erfassen von Informationen oder Zusammenhängen im Sinne einer spontanen Eingebung. Diese ermöglicht uns manchmal einen komplexen Einblick in Situationen, Systeme, und Strukturen, ohne, dass wir uns diese Erkenntnisse durch Denkprozesse erarbeiten mussten.

 

Jeder kennt die Redewendung "aus dem Bauch heraus handeln", und damit benennen wir vor allem Entscheidungen, welche wir unbewusst oder rationalen Gründen zuwider getroffen haben. Das empathische Einfühlungsvermögen gründet ebenfalls zum Teil auf Intuition sowie der Fähigkeit, das Wesen eines Menschen und seine Emotionen instinktiv zu erfassen.

Ohne Zweifel ist es wichtig, komplexe Sachverhalte nach objektiven Kriterien zu prüfen, aber unser Verstand neigt dazu, unsere Intuition zu unterdrücken. Zu starkes Rationalisieren blockiert wohl möglich wichtige Impulse und tiefe Erkenntnisse, die durch Grübeln allein nicht gewonnen werden können.

 

Inspiration - der "eingehauchte Geist"

 

Der Begriff der "Inspiration" bezieht sich auf einen plötzlichen Einfall zumeist im Zusammenhang kreativer Schaffensprozesse, welcher von den "göttlichen Ebenen" (spirit) ausgeht. Schriftsteller, Maler oder Musiker fühlen sich "von der Muse geküsst", wenn sie besonders gute Einfälle haben.

Sicher können Sie aber auch von Inspiration sprechen, wenn Sie Ideen freilegen oder ausreifen lassen, die sich zum Teil schon in Ihrem "System" befinden; Sie greifen auf Inhalte zurück, die bereits "heruntergeladen" wurden.

 

Ein schönes Beispiel hierfür gibt Heinrich von Kleist in seiner Abhandlung "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden". Darin empfiehlt er, im Falle eines Problems in Anwesenheit einer anderen Person hierüber zu sprechen, um die im eigenen Körperbewusstsein vorhandenen Lösungsansätze auszuformulieren. Auch wenn das Gegenüber vom Thema keine Ahnung hat, ist allein seine Anwesenheit förderlich für den kreativen Prozess, denn, Zitat: "die Idee kommt beim Sprechen" und "der Bauch ist die Werkstatt der Vernunft".

 

In diesem Sinne ist es auch eher Ausdruck eines "kreativen, ganzheitlichen Denkprozesses", wenn Sie stottern und beim Sprechen nach den richtigen Worten suchen - und kein Zeichen von Dummheit oder Unvermögen. Was Sie wie "aus der Pistole geschossen" äussern, wird demnach eher übernommenes oder wiedergekäutes Gedankengut sein, als aktuell eigenständig durchdachte, oder besser gesagt: durchfühlte Inhalte. In solchen "inspirierten" Momenten sollten Sie den Redner, den "Ideen-Gebärenden", möglichst nicht unterbrechen, da sein Intuitionsfluß blockiert würde, und er vielleicht längere Zeit keinen Zugang mehr zu den entsprechenden Inhalten finden würde.

 

Wenn sich jemand im Rahmen eines therapeutischen Gesprächs an Inhalte heranwagt, die er oder sie bisher "erfolgreich" verdrängt hat, ist es besonders eindrucksvoll zu beobachten, wie der Mensch "seine Wahrheit aus sich heraus holt" - nämlich die Wahrheit darüber, wie er sich fühlt.

 

Fühlen und Gefühle haben

 

Sowohl für die persönliche "Prozessarbeit" als auch für die zwischenmenschliche Kommunikation ist das Fühlen, sowie Gefühle, Emotionen und Stimmungen haben und diese wahrnehmen, von großer Bedeutung.

"Gefühle sind Botschaften von uns selbst an uns selbst (…) Fühlen ist eine Tätigkeit, man braucht hierfür Zeit (…) Fühlen bedeutet, der mit Sinnen wahrnehmbaren Erregung eine neue, der Gegenwart angemessene Bedeutung zu geben (…) Gefühle sind Reflexreaktionen auf die Vergangenheit" (Zitate aus Vorträgen von Wolf Büntig, Arzt und Psychotherapeut).

 

Hiermit wird deutlich, weswegen das Bewusstmachen von Gefühlen und Emotionen so wichtig ist für einen therapeutischen Prozess. Sie sind Schlüssel zur Veränderung von veraltetem Erleben, welches mental und im Zellbewusstsein zum Teil als "Glaubenssätze" verankert und konserviert wurde. Diese Inhalte sind meist nicht mehr dienlich, denn die einstige Gefahr ist überwunden. Die dazugehörigen Gefühle können hinderlich sein und Ihr weiteres Verhalten und Ihre Beziehungsmuster in "dysfunktionaler" Weise bestimmen, wenn Sie die Programme nicht erkennen. Damit blockieren Sie wohlmöglich neue, erfreuliche Erfahrungen, die Sie selbst gestalten könnten.

 

Wenn Sie sich fühlend wahrnemen, sind Sie eher in der Lage, gemäß Ihrer wahren Bedürfnisse zu handeln, als Jemand, der sein Bewusstsein schwerpunktmäßig in den Kopf verlagert hat. Das Fühlen ist eine Tätigkeit, die die Sinne mit einbezieht, und dieser Vorgang ist durch die rein mentale Funktion nicht ersetzbar. Somit reduziert er sich auf einen kleinen Teil seiner Wahrnehmung und wird seinem Wesen nicht gerecht.

 

In vielen Lebenslagen müssen Sie (sich) fühlen, um Entscheidungen darüber treffen zu können, ob eine Situation für Sie tragbar bis erfreulich ist, oder ob Ablehnung bis Flucht die bessere Wahl wäre. Das kann mitunter lebenswichtig für Sie sein. Manch einer hat seine Fühlfähigkeit derart unterdrückt, dass er nicht nur nach außen "kalt" wirkt und vielleicht "herzlose" Entscheidungen trifft. Sondern dass sogar sein Schmerzempfinden aussetzt, und er unter Umständen Alarmsignale seines Körpers nicht wahrnimmt und eine notwendige Behandlung versäumt.

 

Emotionen und Affekte - der nach außen gerichtete Selbstausdruck

 

Wenn Sie "emotional" reagieren, geschieht dies zumeist unbewusst als unmittelbare Antwort auf die Wahrnehmung eines äußerlichen Reizes. Diese oft nur kurzzeitigen "Gemütsbewegungen" sind gerne begleitet von körperlichen Veränderungen wie erhöhtem Pulsschlag, Rotwerden, Zittern oder ähnlichem, und vielleicht können Sie für einen Augenblick Ihr Handeln weniger steuern.

 

Emotionen und "Affekte" beeinflussen in hohem Maße, wie Sie sich Ihrer Umwelt gegenüber verhalten. Sie sind sehr subjektiv, und spiegeln einen unbewussten Prozess wieder, der verstärkt nach aussen gerichtet ist, von anderen oft aber nicht nachvollziehbar ist.

 

Angst, Neid, Wut, Frustration, Ekel, Verliebtheit oder Ohnmacht sind Zustände, die wir alle kennen, um nur einige zu nennen. Wir wissen, dass Emotionen gar nicht selten dramatischer erlebt werden, als der Auslöser dies rechtfertigen würde. Je intensiver eine Emotion Sie ergreift, desto stärker kann Ihr Wille und damit Ihre aktuelle Handlungsfähigkeit beeinträchtigt werden. Dies geschieht Ihnen hoffentlich nicht, wenn ein Auto auf Sie zurast, und Sie aus der Bahn springen sollten.

 

Wie bereits angedeutet, spielen Emotionen im psychotherapeutischen Kontext eine bedeutsame Rolle. Denn an ihnen macht sich zumeist das Leidensbild einer "Störung" fest, und über sie kann das leidvolle Erleben in positiver Weise verändert oder überwunden werden. Je ehrlicher Sie sich mit den "Fühl-Inhalten" Ihres Wesens beschäftigen, desto erfolgreicher können Sie unliebsame und hinderliche "emotionale Automatismen", welche Ihr Verhalten und Erleben steuern, mental bewerten und gegebenenfalls regulieren oder gar unterbinden ("Impulskontrolle"). Diese Art mentaler Kontrolle über Ihr "Gefühlsleben" ist sehr nützlich. Denn beherrscht werden hier keine inspirierenden Impulse, sondern emotionale Altlasten, die Ihre Freiheit einschränken.

 

Lesen Sie weiter Das Bauchgefühl II: Empathie und Verstand - vom Wert der Weisung durch Ihr Höheres Selbst

 

Autorin: Ruth Haremsa

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Axel G. Tausch (Samstag, 05 September 2015 16:29)

    Die Hirnforschung hat das enterale Hirn samt Microbiom entschlüsslert und festgestellt, daß die enteralen Symbionten in neuronaler und endokriner Interaktion unsere gesamte Gesundheit beeinflussen. Therapeutisch ist eine Dysbiose immer auch zu behandeln.

  • #2

    Ruth Haremsa (Dienstag, 15 September 2015 22:13)

    Das klingt vielversprechend, Herr Tausch! Leider habe ich nichts von dem verstanden, was Sie da sagen :-)