Ethik und Selbstklärung für Therapeuten II: Der Halo-Effekt

Der Halo-Effekt bei Therapeut, Heilpraktiker und Berater

 

Der Mensch ist dankbar, wenn er meint, nach langem Suchen das Non-Plus-Ultra der Heilmethoden für sich entdeckt zu haben, oder Jemanden, der vorgibt, seine Probleme lösen zu können. Denn es ist nicht ganz einfach, sich im Dschungel der Angebote zurecht zu finden, besonders, wenn man seinen eigenen Impulsen nicht mehr traut. Zumal die Gesundheitsindustrie entscheidend dazu beiträgt, Verwirrung zu stiften, in dem wirtschaftsträchtige Maßnahmen gefördert, und heilwirksame Behandlungen herunter gespielt werden.

 

Nach schlechten Erfahrungen mit Heilkundlern, Ärzten oder Beratern meint ein Mensch, endlich die ultimative Methode und den besten Therapeuten für sich gefunden zu haben. Da passiert es leicht, dass er geneigt ist, über Verstöße gegen Grundprinzipien von Heilarbeit und Therapie hinweg zu sehen, wie z.B. das Überschreiten der Distanz oder Nachlässigkeiten anderer Art seitens des Behandelnden. Denn war er zunächst sehr zufrieden und hat seinen Behandler als integer, und dessen Heilmethoden als wirksam eingestuft, so unterstellt er ihm jetzt nur noch Positives. Das ist der Halo-Effekt.

 

Weisen Sie Vorschusslorbeeren zurück

 

Als Therapeuten und Berater sollten wir diese Vorschusslorbeeren zurückweisen und an jede Behandlung so heran gehen, als sei es die erste, damit wir in keine selbstgefällige Routine abgleiten und den Heilerfolg als selbstverständlich erachten. Einem Klienten ist immer mit voller Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu begegnen.

 

 

Sie vergeben sich nichts, wenn Sie sich ab und zu mal in Frage stellen. Im Gegenteil, damit beweisen Sie innere Größe. Vermeiden Sie es bitte nur, eine eventuelle Unsicherheit auf Ihre Klienten zu übertragen. Wenn Sie in Zweifel geraten, kommunizieren Sie dies angemessen, aber bemühen Sie sich, eine Lösung mitzuliefern; wie z.B. „das kann ich gerade nicht beantworten, aber ich werde mich informieren und versuchen, eine Lösung zu finden“. Sie müssen im übrigen nicht auf alles eine Antwort haben.

 

„Klassische“ Methoden weiter entwickeln

 

Als Heilkundige, Therapeuten und Berater sollten wir immer offen dafür bleiben, unsere Arbeitsweise und erlernten Methoden in Frage zu stellen. Damit meine ich nicht, sich ständig Selbstzweifeln zu unterwerfen. Ich möchte Sie vielmehr dazu anregen, sich immer wieder darauf hin zu überprüfen, ob sie die nötige Neutralität und Klarheit besitzen, um sich selbst und Klienten unvoreingenommen begegnen zu können. Haften Sie nicht an „klassischen“ Methoden, denn auch Heilarbeit unterliegt einem steten Wandel und darf sich entwickeln. Vermeiden Sie Starre und engstirniges Klammern an „Altbewährtem“ und drängen Sie nicht jedem Ihr Schema F auf, mit dem vor allem Sie selbst sich wohlfühlen. Wachsen Sie mit Ihren Klienten mit!

 

Verliebt in die eigene Vita

 

Seien Sie nicht allzu begeistert von Ihrer eigenen Vita, (Ich bin „Klassischer Homöopath“, habe meinen Master in den USA absolviert.....habe ein "Heilerdiplom" und beherrsche tausend Techniken.....). Das Maß an authentischem, erfahrenen Wissen ist vielfach höher zu bewerten, als ein kilometerlanger, lückenloser Lebenslauf. Denn wir haben es mit dem Dienst am Menschen zu tun, und hier fließen die Herzqualitäten eines Therapeuten genauso ein, wie fundierte Sachkenntnisse.

 

Es ist nicht die Methode XY, welche einen Menschen zur Selbstheilung inspiriert, sondern der Mensch in der persönlichen Begegnung, der das Wissen durch sich hindurch fließen lässt und den Suchenden auf individuelle Weise damit erreicht. Dies sehen wir durch das Gegenteil bestätigt: wenn ein Behandler, welcher Art auch immer - in Unkenntnis seiner eigenen ungeklärten Themen - sein „Programm durchzieht“, dann werden kaum Heilungsimpulse gesetzt. Eher reisst er den Klienten mit in seinen Abgrund und fungiert als Mittler für teilweise hochmanipulative Einflüsse, welche Heilung verhindern.

 

Demut heißt nicht Unterwerfung

 

Wenn Sie also anfangen, sich selbst als Therapeut oder "Heiler" zu feiern, sind Sie auf dem Holzweg. Seien Sie sich dessen bewusst, dass Sie dem Klienten dienen und nicht umgekehrt. Dies schließt allerdings keineswegs aus, dass Sie sich für Ihren Einsatz angemessen entlohnen lassen, (übertreiben Sie es aber nicht, Sie sind kein Superstar!). Andersherum sind Sie aber auch kein "barmherziger Samariter", und Sie haben keinen Auftrag, die Welt zu retten.

 

Der Begriff der Demut sollte als „verantwortlicher Dienst am nächsten“ verstanden werden und nicht als „Selbstunterwerfung und Selbstbestrafung“. Ich möchte Sie nicht ins Mittelalter zurückschicken und Ihnen ein Büßergewand überstülpen, sondern Sie dafür sensibilisieren, dass Sie in Ihrer Funktion als Ratgeber und Begleiter eine hohe Verantwortung den Menschen gegenüber haben, die sich vertrauensvoll in Ihre Hände begeben.

 

Jedoch muss auch jedem Klienten seine Eigenverantwortung für seinen Heilprozess bewusst sein. Und dazu gehört die Anerkennung gegenüber dem Therapeuten, welcher sich aufrichtig bemüht, und die durch einen angemessenen "Energieausgleich" selbstverständlich bekundet werden sollte.

Heilkundige, die mit diesem Ausgleich ein Problem haben, d.h. ein Honorar nicht mit gebührendem Selbstverständnis und angemessener Wertschätzung für die eigene Arbeit annehmen können, sollten an dieser Stelle stutzig werden - und der Ursache für diese Selbstsabotage auf den Grund gehen!

 

Wer Fremdeinflüsse zulässt, macht sich schuldig

 

Es ist eine Verdrehung der Wahrheit zu behaupten, jede Erfahrung sei notwendig und vom Einzelnen immer selbst zu verantworten. Hiermit wird versucht, unethisches oder nachlässiges Verhalten zu rechtfertigen. Die Universellen Schöpfungsgesetze wie z.B. das Gesetz der Resonanz oder das Kausalitätsprinzip („Karma-Gesetz“) werden oftmals falsch ausgelegt. Seien Sie sich darüber im Klaren, dass Sie Ihre Taten kraft dieser Gesetze sowie dem Gesetz des freien Willens selbst zu verantworten haben, und dass jede Tat eine Wirkung entfaltet, die eine Reaktion nach sich zieht.

 

Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht, es gäbe keine Opfer, möchte ich darauf hinweisen, dass jede Handlungskette einen Anfang hat, der von einem „Täter“ gesetzt wird, und ein Opfer hat nicht jedes Mal bereitwillig dazu eingeladen. "Prädestination, also „Vorbestimmtheit“, ist nur die eine Hälfte des Gesetzes von Ursache und Wirkung. Der Einsatz des freien Willens eines Täters ist die andere Hälfe – und das entscheidende Prinzip" (Armin Risi). Es obliegt also Ihrem freien Willen als verantwortlichem Therapeuten, auf Fremdeinflüsse aufmerksam zu werden, die über Sie wirken und die Ihren Klienten schaden können.

 

Die Selbstermächtigung des Therapeuten

 

Selbstermächtigung bedeutet nicht, dass wir uns über ethische Grundprinzipen und die Universellen Schöpfungsgesetze eigensüchtig hinweg setzen dürfen, oder dass wir meinen, es sei unsere persönliche Heilkraft, die durch uns wirke. Therapeuten, Heilpraktiker, Ärzte und „Heiler“ dieser Annahme haben nicht selten das Problem, dass sie eine Rückkopplung der (energetischen) Belastungen und Symptome ihrer Klienten erfahren und diese übernehmen - und bis zum Kragen mit Fremdeinflüssen behaftet sind. Die Folgen davon dürfen als Korrektur der inneren Fehlhaltung der Person verstanden werden. Heilarbeit „funktioniert“ nicht, wenn wir uns nicht demütig darüber bewusst sind, dass nur die höchste Quelle heilt, und wir als Instrument dienen.

 

Selbstermächtigung bedeutet, dass Sie sich Ihrer eigenen Potentiale, Fähigkeiten und Seelenaufgaben bewusst werden und ein natürliches Selbstverständnis dafür entwickeln. Entkoppeln Sie sich von Institutionen und falschen Götzen, denn jetzt geht es darum, sich Ihrer eigenen, persönlichen Verbindung zum Höchsten bewusst zu werden, Ihren Kanal zu klären und Heilarbeit auf höchstem Niveau zu realisieren. Der erste Schritt dahin ist das verantwortungsvolle und mutige Klären der eigenen "Schattenanteile".

 

Ich begleite Sie gerne in einer  Supervison für Therapueten, Heilpraktiker und Coaches  bei der Bearbeitung Ihrer Themen.

 

 

 

Autorin: Ruth Haremsa

 

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